Landnutzungsänderungen

Eine wesentliche Herausforderung liegt in der Vermeidung negativer Landnutzungsänderungen, die im Zuge des Anbaus von Biomassen für Biokraftstoffe erfolgen können. Im schlimmsten Fall werden hierfür Flächen wie Regenwälder oder Moore genutzt. Dies steht nicht im Einklang mit einer nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, widerspricht dem Ziel der Vermeidung des Klimawandels und wird daher von aireg strikt abgelehnt.

Aber auch ein Anbau auf nicht schützenswerten Flächen kann zu sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen („Indirect Land Usage Change“, ILUC) führen. Dabei können bislang ungenutzte und / oder ökologisch sensible Flächen für die Nahrungsmittelproduktion erschlossen werden, weil auf herkömmlichen Agrarflächen Biomasseanbau betrieben wird. Verlässliche Studien zur iLUC-Debatte liegen zwar bislang noch nicht vor, gleichwohl ist die grundsätzliche Existenz von iLUC anzuerkennen. 

Mitte Oktober 2012 hat die EU-Kommission einen Richtlinienentwurf vorgelegt, um negative iLUC-Folgen in der Biokraftstoffförderung zu berücksichtigen. Dieser Ansatz ist aus Sicht von aireg grundsätzlich richtig. Allerdings leidet der Richtlinienvorschlag unter einer mangelnden Differenzierung und verhindert innovative Nutzungsformen von Ölpflanzen. Lösungsvorschläge von aireg:

1. Projektbasierte Ansätze verfolgen
Projekte zum Anbau von Biomasse für Biokraftstoffe unterliegen bereits jetzt einer Nachhaltigkeitszertifizierung. Diese Zertifizierung kann um die Prüfung erweitert werden, ob ein Projekt zu einer unmittelbaren Veränderung der Lebensmittelproduktion führt, da dies in vielen Fällen ein objektiv überprüfbarer Sachverhalt ist.

2. ILUC Bewertungen standortspezifisch durchführen
Moderne Landnutzung ist grundsätzlich abhängig von spezifischen Standortfaktoren, also gesellschaftlichen, klimatischen, geologischen und ökologischen Gegebenheiten. Rohstofferzeugung für Biokerosin sollte demnach nur dort stattfinden, wo diese Rahmenbedingungen ein nachhaltiges Wirtschaften zulassen. 

3. Nachhaltige Anbauformen berücksichtigen
ILUC-Effekte zum Nachteil der Lebens- und Futtermittelproduktion können vermieden werden, indem beispielsweise die Ertragskraft der Böden verbessert wird und neue Kuppelprodukte erschlossen werden. Diese positiven Aspekte müssen bei der iLUC-Bewertung berücksichtigt werden.

4. Reststoffe nutzen
Reststoffe sind als eine mögliche Biomasseart für den Einsatz im Luftverkehr zu prüfen und zu nutzen. Allerdings ist die Definition noch nicht endgültig geklärt: So sind Tierfette in Deutschland nicht als Reststoff anerkannt, in anderen europäischen Nachbarstaaten aber sehr wohl. Diese Ungleichbehandlung kann zu Marktverzer­rungen führen und ist zu korrigieren.

aireg Stellungnahme zur iLUC-Diskussion »